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Frankreich: Saône und Rhône

 
     
 
Zuallererst: Es war eine gelungene Reise mit perfekter Organisation durch eine Gegend, die so wunderbar und gleichzeitig doch so nah und so einfach zu erreichen ist, dass man sich wundern muss, warum die Menschen immer so weit weg fahren wollen. Danke, Kiwi Tours, für acht großartige Tage. Eigentlich waren wir schon einige Male in Frankreich gewesen, aber es zieht uns immer wieder dorthin. Wir lieben Frankreich. Was also liegt näher, als unser Lieblingsland aus einer neuen Perspektive kennen zu lernen? Wir buchten bei Kiwi Tours eine Schiffsreise, die uns die Saône und die Rhône entlang führte. Eine wunderbare Gegend um Burgund, Beaujolais, Camargue und Provence.

In Lyon wurden wir eingeschifft. Wir fuhren einen Tag früher hin und verbrachten die Nacht in der Stadt, wo wir uns übers Internet ein kleines Hotel gebucht hatten. Noch eine Nacht allein, für uns. Am nächsten Tag gingen wir zum Hafen, sahen das Schiff und mussten fast lachen. Zwei Jahre vorher hatten wir eine Schiffsreise in Südamerika gemacht, und das Schiff hier schien das Baby von dem anderen zu sein. Ganz klein, ganz nett. Da lag es, schon elegant, aber auch wirklich winzig. Wir fürchteten uns kurz ein bisschen vor der Nähe zu den anderen Passagieren, aber das stellte sich als falsch heraus, denn die Reise gefiel uns noch viel besser als die auf dem riesigen Schiff. Es war persönlicher, die Besatzung sprach uns mit Namen an und bald kannten wir auch viele der übrigen Passagiere.

Wir betraten das Schiff und wurden von der Crew begrüßt. Ein Steward brachte uns zu unserer Kabine. Auch die Kabinen waren Miniaturausgaben der Kabinen auf dem Hochseeschiff. Aber es ist ja klar, dass es hier alles ein wenig kleiner ist, denn das Schiff soll ja auch Flüsse hoch und runter fahren können, ohne stecken zu bleiben. Unsere Kabine war also auch ziemlich klein, sie erinnerte uns eher an ein Zugabteil. Das obere Bett konnte man hinaufklappen und so erhielt man ein Sofa, auf dem man tagsüber sitzen konnte. Das war eigentlich auch praktischer, weil man sich auf die unbequemen Sessel in den großen Kabinen eh nie setzt. Was uns überraschte, war die elegante Einrichtung. Die Kabine war in beige und gold gehalten, sehr klassisch und wirklich schön. Wenn wir an die andere Kabine vor zwei Jahren zurückdenken, sehen wir eine in orange gehaltene Scheußlichkeit...
 
Wie bereits gesagt, war das Leben auf dem kleinen Schiff sehr familiär, was wir schon am ersten Tag feststellen konnten. Nach einem kurzen Spaziergang über das Schiff - ungefähr eine Viertel Stunde - hatten wir alles gesehen. 130 Passagiere gab es auf unserer Reise, und ein wenig fühlten wir uns wie Hercule Poirot in "Tod auf dem Nil". Wir lernten einige nette Mitreisende kennen, mit denen wir uns oft auf dem schönen Sonnendeck trafen. Leider lag hier ein ziemlich hässlicher grüner Kunstteppich. Dem Gesamteindruck tat das aber keinen Abbruch, denn die wunderbaren Deckchairs machten alles wett. Und wir saßen an schönen Holztischen und nicht, wie auf großen Schiffen, an die Wand gepresst.

Die erste Strecke führte uns nach Norden. Unser Schiff legte das erste Stück in der Nacht zurück, so dass wir von der Umgebung wenig sahen. Am nächsten Tag kamen wir dann in Chalon-sur-Saône an. Der kleine Ort ist die zweitgrößte Stadt in Burgund. Geburtsort der Fotografie, die hier von Joseph Niepce erfunden wurde. Der Dom überragt die Stadt, die mit kleinen Gassen und Fachwerkhäusern ein äußerst schönes Reiseziel abgibt. Von hier aus besuchten wir das Hôtel Dieu. Die bunten Dächer sind typisch für das Burgund. Das ehemalige Hospital aus dem Jahr 1443 beherbergt heute ein Altersheim und ein Museum, das einen Einblick in die Geschichte der Krankenpflege gibt.

Weiter ging es die Saône hinunter, durch das Burgund, eine sehr schöne Landschaft. Nächstes Ziel war das Kloster Cluny. Die Abtei war Ausgangspunkt für einige bedeutende Klosterreformen und war eines der einflussreichsten religiösen Zentren im Mittelalter. Allein die Kirche hier ist beeindruckend in ihrer Größe und der Kraft, die sie ausstrahlt. Cluny selbst ist eine ganz alte Stadt, und das merkt man ihr auch an.

Bei La Voulte mussten wir gar nicht aussteigen, um etwas Tolles zu sehen. Durch die Ardèche-Schlucht fährt man automatisch durch. Das war wirklich ein Erlebnis. Die Umgebung änderte sich schlagartig, von der grünen Landschaft kamen wir in die Schlucht, die uns mit ihren felsigen Steilhängen umgab. Das Sonnendeck war auf einen Schlag ziemlich voll, alle wollten den Ausblick genießen und die besten Fotos machen. Man konnte sogar die einzelnen Basaltschichten im Fels erkennen. Ein einmaliger Anblick. Wir zogen ganz langsam durch die Schlucht und hatten Zeit, um alles ganz genau zu betrachten. Am anderen Ende wartete dann Villiers. Es liegt oben auf dem Berg. Eine mittelalterliche Stadt, deren Häuser gebaut sind aus vielen ungleichmäßigen Steinen, das macht die Straßen wirklich schön zum Durchschlendern.

Die Camargue ist ein vorwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet mit viel Obst- und Gemüseanbau, aber auch viel Nutzvieh auf den Weiden. Sie liegt zwischen den Mündungsarmen der Rhône und gehört witzigerweise zum Stadtgebiet von Arles, was diese Stadt zur größten Gemeinde Frankreichs macht. Es ist ein wenig wie in einem kitschigen Film hier, wahrscheinlich wurden hier schon massig Filme gedreht. Eine wunderschöne Gegend. Arles ist ebenfalls eine sehr schöne alte Stadt mit einem Amphitheater im Zentrum, das zwar nicht so riesig ist wie das in Rom, aber auch beeindruckend. In Arles malte van Gogh, der hier viele Jahre verbracht hat, seine "blühenden Obstgärten". Auf dem Place du Forum tranken wir gemütlich einen Kaffee und streckten unsere Beine aus. Nach einem langen Spaziergang waren wir ganz schön fertig, aber die Stadt gibt auch einiges her mit dem Fluss und den wunderbaren Straßen und Gebäuden.
Mit dem Bus wurden wir quer durch die Landschaft nach Les-Saintes-Maries-de-la Mer gebracht. Das liegt nicht weit entfernt direkt am Meer, ein weltberühmter Wallfahrtsort. Hier waren wir noch nie zuvor gewesen, aber wir fanden die Lage der Stadt sehr schön, so direkt am Wasser, wir machten einen Spaziergang am Strand, mal was anderes. Auch hier gab es das in dieser Gegend wohl nicht wegzudenkende Amphitheater. Eine Traumgegend.
Wir erfuhren viel durch die von der Organisation ausgegebenen Audiosets, die man auf die Ausflüge mitnehmen konnte. Dadurch waren wir unabhängig von einem Führer und wurden ebenso gut informiert über das, was wir sahen - und wann wir es ansehen wollten, konnten wir uns selbst aussuchen. Ein tolles System.

Unser nächster Halt brachte uns zum Gräberfeld Les Alyscamps, die bereits von Paul Gauguin auf Leinwand festgehalten wurden. Es handelt sich dabei um eine antike Nekropole, deren Wege mit Sarkophagen gesäumt sind. Hier herrscht eine ganz eigene Stimmung, ganz entspannt und ruhig. Wir spazierten ziemlich lange durch die Anlage und sahen uns auch die Reste der Kirche an.

In Avignon, wieder flussaufwärts im Landesinneren, erwartete uns eine mittelalterliche Stadt, die wir bereits von einem früheren Besuch her kannten. Das änderte aber nichts daran, dass wir auch jetzt wieder begeistert waren. Die Papststadt wird auch heute noch von einer dicken Mauer umgeben, der Papstpalast sieht mehr wie eine Festung aus. Vor allem bei Sonnenschein ist die Stadt mit dem Fluss wunderschön.
Les Baux de Provence liegt oben auf einem Berg. Das alte Stadtzentrum dieser bergigen Gemeinde ist atemberaubend. Schmale Gassen führen hindurch, es gibt viele Restaurants und Cafés, wir lieben diesen Ort. Es gibt viel zu sehen hier, ein altes Katapult, eine Burgruine und dann die Aussicht! Grandios! Wir sind so froh, dass wir diesen Ausflug gemacht haben.

Über Vienne ging es dann wieder nach Lyon, wo wir das Schiff verließen. Alles in allem war es eine großartige Reise. Die Ziele waren überwältigend und die Organisation war sehr gut. Das überaus freundliche Personal hat uns immer mit unserem Namen angesprochen, was uns sehr gefallen hat. Die Landausflüge waren sehr gut organisiert, wenn man wollte, konnte man aber auch einfach allein losziehen. Besonderes Highlight: Das Audioset, mit dem man unabhängig war. Das Essen an Bord war sehr gut, schön war auch, dass aufgrund der kleinen Passagierzahl nur eine Essenszeit notwendig war, so dass man nicht gehetzt wurde. Mit dem Bordprogramm konnten wir nicht viel anfangen, das liegt uns einfach nicht. Wir verbrachten viel Zeit auf dem Sonnendeck und abends gingen wir in eine Bar. Wem das reicht, für den ist hier alles geboten. Denn auch auf der Fahrt etwas sehen zu können und dabei allen Luxus zu genießen, auch mal tagsüber kurz zu schlafen, das hat man auf anderen Reisen nicht. Eine Schiffsreise ist absolut zu empfehlen, besonders diese traumhafte Flusskreuzfahrt. Wir haben bei Kiwi Tours gebucht, weil das Unternehmen aus München bereits seit über 20 Jahren besteht und einen guten Ruf hat. Wir haben es nicht bereut, die Betreuung vorher am Telefon war auch schon sehr gut und sehr freundlich gewesen. Wir haben uns gut aufgehoben gefühlt. Wirklich zu empfehlen! Ein Reiseziel, das mal nicht eine endlos lange Anreise beinhaltet, bei der man schon zwei Tage seines Urlaubs verliert. So nah und so großartig!

Achim B. aus Stuttgart
 
     
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