Wenn man schon so viel gereist ist wie wir, ist die Wahl des Ziels manchmal noch viel schwerer als wenn man noch nichts gesehen hat. Nach langen Abenden voll Diskussionen und endlosem Wälzen von Katalogen entschieden wir uns für Kanada. Und damit die Reise sich von unserer früheren Kanada-Reise unterschied, sollte es eine Kreuzfahrt sein. Bei Kiwi Tours fanden wir das richtige: Eine Busrundreise mit anschließender Kreuzfahrt. Eine großartige Mischung.Von Calgary ging es über die Rocky Mountains nach Vancouver, die Kreuzfahrt führte uns dann noch vor die Küste Westkanadas bis hinauf zum Sawyer Gletscher.

Das versprach interessant zu werden.
Calgary ist eine reizende Stadt inmitten der Rockies. Sie liegt malerisch vor den hohen Gipfeln, ein kleiner Fluss durchfließt die Stadt und es ist herrlich grün. Alles wirkt hier ein wenig provinziell, aber schön. Der nette Reiseleiter von Kiwi Tours hat uns und die anderen Rundreiseteilnehmer zum Hotel gebracht, wo er das Einchecken übernahm. Da der Abend noch jung war, wollten wir noch was erleben. Unser Reiseleiter empfahl uns, auf der 17. Avenue die Kneipen und Restaurants zu besuchen. Ein guter Tipp.
Am nächsten Morgen wartete vor der Hoteltür der Reisebus. Wir hatten nur unsere Koffer packen müssen und auf dem Zimmer stehen lassen. Damit begann der Kreislauf des einzig Nervigen an einer Busrundreise: Man muss den Koffer jeden Tag wieder packen. Das fiel am Ende der Reise, als wir aufs Schiff umgestiegen waren, dann Gottseidank weg. Unsere Koffer wurden von den Servicekräften in den Bus gebracht, wir stiegen ein und suchten uns einen Platz weiter vorn. Als erstes fiel uns auf, wie sauber der Bus war. Die Plätze waren großzügig bemessen, wir waren zufrieden. Als alle Teilnehmer der Rundreise anwesend waren, begrüßte uns der Reiseleiter noch einmal herzlich und erzählte uns von den kommenden Zielen, die wir auf unserer Fahrt ansteuern würden. Danach machten wir eine Stadtrundfahrt durch Calgary, die uns vor allem an die Stätten der Olympischen Winterspiele von 1988 führte.

Auf unserer Fahrt nach Banff lernten wir dann andere Mitreisende kennen. Die Landschaft, die wir passierten, war großartig, so schön, dass wir manchmal vergaßen, dass wir auch gern das eine oder andere Foto machen wollten. Der kleine Skiort Banff liegt sehr malerisch in den Bergen. Man kann eine kurze Runde spazieren gehen, doch außer Wintersport und einer herrlichen Sicht bietet der Ort nicht wirklich viel. Deshalb freute ich mich, dass es am nächsten Tag weiterging. Der Lake Louise bot ein unglaublich schönes Panorama für Aufnahmen. Das Wasser war von klarem Blau bis Grün.
Dann besuchten wir das Columbia Eisfeld. In dem großen Snocoach kommt man sich vor wie in einem Panzer. Wir saßen sehr hoch und hatten dadurch einen guten Blick durch die großen Fenster. Der Höhepunkt heute: Die Athabascafälle. Sie stürzen sich über die wie aufgestapelt wirkenden Steinplatten in die Tiefe. In der Sonne glitzert der feine Sprühregen und überall bilden sich zarte Regenbogen.

Am Abend dann Jasper, ein Ort, ähnlich wie Banff. Obwohl jedes Jahr über 3 Millionen Menschen hierher reisen, um hier Urlaub zu machen, hat sich der Ort seinen Charme bewahrt und die Einwohner sind überaus freundlich und zuvorkommend.
Im Wells Grey Provincial Park konnten wir uns gar nicht satt sehen an den schönen Wasserfällen, die völlig frei herunterstürzten. Bis wir dann einen Bären sahen, den wir noch spannender fanden. Das gemeinsame Barbecue am Abend war ein nettes Erlebnis, bot es doch einmal Zeit, sich in Ruhe mit den Mitreisenden über die zurückgelegte Strecke zu unterhalten. Die meisten Abende hatten wir allein verbracht, meist nur schnell essend, weil wir so müde waren, dass wir nur noch ins Bett wollten. Heute ließ sich jeder viel Zeit. Und so stellten wir fest, dass wir eine richtig nette Gruppe waren. Das Essen war sehr gut und die Organisation wieder hervorragend.
In Chase erwartete uns dann eine Besonderheit der Reise: Wir trafen uns mit dem Stammesältesten eines Indianerstammes. Er erzählte uns von seinen Vorfahren, aber auch von seinem jetzigen Leben hier. In den letzten 100 Jahren hat sich schon viel geändert für die Indianer. Und obwohl nicht nur zum Besseren, war "unser" Indianer nicht verbittert. Seine Geschichten waren spannend und mitreißend, das Leben ist für seine Stamm oft schwierig.
Wir waren gebannt von der wunderschönen, wilden Natur, die uns jeden Tag begleitete. Wir hatten Glück, an den meisten Tagen schien die Sonne und wir konnten das Naturschauspiel in ganzer Größe genießen. Über Lillooet und Whistler, zwei weitere Bergdörfer, erreichten wir dann endlich wieder eine größere Stadt: Vancouver.

Dort hatte uns mit einem Mal die Zivilisation wieder. Bei einer Stadtrundfahrt hatten wir Zeit, uns wieder in die Gegenwart zurückzuholen, mit Hochhäusern und verstopften Straßen. Den nächsten Tag haben wir besonders genossen. Wir hatten Zeit für uns allein Vancouver zu entdecken. Kein vorgefertigter Termin, keine Gruppe. Nach den vielen Tagen zusammen auch mal eine schöne Abwechslung, vor allem, weil Vancouver doch einiges zu bieten hat. Die Stadt und vor allem die Atmosphäre hier haben uns sehr beeindruckt.
Und hier begann dann auch der zweite großartige Teil der Reise: Die Einschiffung auf die MS Norwegian Sun.

Ein scheinbar riesiges Schiff, wenn man es aus der Nähe betrachtete. Um unser Gepäck mussten wir uns wieder einmal nicht kümmern, der Reiseleiter organisierte alles perfekt. Dann startete unsere Schiffsreise und wir standen mit den vielen anderen Passagieren an Deck und blickten zurück auf Vancouver. Die Ausmaße des Schiffes waren gigantisch. Der Komfort ließ nichts zu wünschen übrig, unsere Kabine war zwar klein, dafür aber mit einem kleinen Balkon ausgestattet, auch wenn wir ihn nie nutzten, aber die Möglichkeit, morgens mit einem Blick nach draußen aufzuwachen, ist das Geld wert! Doch das Schiff war so groß, dass man immer wieder andere Menschen traf. Und so blieben wir anonym, bis auf unsere eigene Reisegruppe, die wir aber am ersten Tag ein wenig aus den Augen verloren. Nach einer Runde im Pool und einem sehr guten Abendessen im Four Seasons Restaurant, für das wir uns in die extra mitgenommene Abendgarderobe warfen, verabredeten wir uns am zweiten Tag mit einigen anderen Teilnehmern unserer Rundreise an der Champagne Bar zu einem Absacker. Ein guter Anfang.

Am nächsten Tag erreichten wir Ketchikan, eine recht idyllisch liegende Kleinstadt. Am besten hat uns die Creek Street mit ihren historischen Häusern gefallen. Die alten Häuser stehen auf Holzpfählen und als Fußgänger wandert man ebenfalls einen kleinen, den Häusern vorgelagerten Steg entlang. Der nächste Halt war Juneau, die Hauptstadt Alaskas. Juneau hat wenig von der Idylle seiner Lage, Hochhäuser verunzieren die Straßen. Dagegen erinnerte Skagway, unser nächster Halt, an die guten alten Goldwäscherzeiten. Alte Holzhäuser ziehen sich die Straßen entlang, an jeder Ecke gibt es ein neues nettes Gebäude zu entdecken. Eine malerische Stadt!
Nach einem weiteren gemütlichen Tag auf See, den wir in vollen Zügen genossen, erreichten wir die Inside Passage.

Heute hatten wir uns den richtigen Platz ausgesucht: Sobald das großartige Panorama in Sicht kam, eilten alle nach draußen, bewaffnet mit Fotoapparaten und Filmkameras. Wir saßen schon seit geraumer Weile auf den schönen Liegestühlen und lasen. Jetzt schauten auch wir auf und starrten auf die wunderbare Landschaft.
Doch so schnell kann es wieder vorbei sein. Am nächsten Tag war schon wieder die Skyline von Vancouver zu erkennen. Dabei hatten wir uns gerade so gut eingelebt .Unsere nächste Reise wird mit Sicherheit eine Schiffsreise!
Kiwi Tours können wir nur danken für diese wunderbare und gut durchdachte Reise. Die Fahrt mit dem Bus ist definitiv etwas anstrengender als die nachfolgende Schiffsreise und so ist die Reihenfolge gut gewählt. Alles war sehr gut organisiert und wir können sie guten Gewissens weiterempfehlen. Unser Reiseleiter war sehr freundlich und durchgehend für uns ansprechbar, wenn wir kleinere oder größere Sorgen hatten. Bei den Mahlzeiten kam er immer mal wieder bei uns vorbei, um sich zu erkundigen, ob er etwas für uns tun konnte. Auch das Personal auf dem Schiff war sehr zuvorkommend und nett. Und so haben wir uns rundum wohlgefühlt und eine traumhafte Reise hinter uns, an die wir uns immer gern erinnern werden.
Michael S. aus München