Diesmal hatten wir uns etwas ganz Spezielles vorgestellt: mit dem Zug in die Masuren. Nach einiger Suche im Netz hatten meine Frau und ich mit Kiwi Tours den richtigen Anbieter gefunden: Mit einem Nostalgiezug sollte die Reise von Berlin aus in die Masuren gehen, mit einem Abstecher nach Königsberg. Im Mai war's dann soweit: Am Bahnhof wartete der schöne alte Zug, der in den nächsten 8 Tagen unser Zuhause sein sollte. Das Interieur war schön gestaltet, wie wir es uns bei einem Nostalgiezug vorgestellt hatten. Besonders gefallen hat uns, dass man die Fenster öffnen konnte. Bei langsamer Fahrt waren so auch Fotos von der Umgebung möglich, ohne eine störende Fensterscheibe dazwischen. Gegen 15 Uhr ging's los. Nachdem wir die Grenze nach Polen überschritten hatten gab es das Abendessen im Zug.
Unsere erste Etappe führte uns nach Posen.

Die Stadt verfügt über eine wunderschöne historische Innenstadt mit vielen alten Fachwerkgebäuden. Die Nacht verbrachten wir in einem einfachen, aber sauberen Hotel in der Innenstadt, das nicht weiter der Rede wert war. Allerdings war das Essen sehr gut, deftig und lecker.

Am nächsten Tag sind wir in Thorn angekommen. Die Stadt ist entzückend, aber leider haben auch hier McDonald´s und Co. Einzug gehalten. Zum Glück können diese unschönen Zeichen der Zivilisation das Bild der Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus nicht verunzieren. Nach einem Stadtrundgang fuhren wir weiter nach Masuren. Noch immer ist mir nicht klar, ob es nach Masuren oder in die Masuren heißt - leider habe ich vergessen zu fragen.
Wir besuchten die Kirche in Swieta Lipka (Heiligelinde) - ein absolutes Muss - und die Wolfsschanze in Ketrzyn.

Der Ort des Führerhauptquartiers, in dem Stauffenberg den Anschlag auf Hitler wagen wollte, liegt tief im Wald. Alles ist sehr düster. Zerstörte Bunker, allerdings beeindrucken die extrem dicken Wände der Bunker. Für diese Ausflüge (und auch andere) sind wir in einen Bus umgestiegen. Auch hier war die Organisation sehr gut, es war kein Problem, den richtigen Bus für unsere kleine Gruppe auszumachen. Die Busse waren komfortabel und unser Busfahrer war ebenfalls sehr nett.
Nach der Besichtigung ging unsere Zugrundreise weiter an malerischen masurischen Seen entlang. Vor unserer Reise hatten wir einmal gelesen, dass in Masuren das Land weiter, die Seen klarer,

die Wälder dunkler und die Alleen dichter sind als anderswo. Klingt wie ein kitschiger Werbespruch, stimmt aber. Wir fanden kaum Zeit, die Bücher zu lesen, die wir uns extra für die Reise besorgt hatten, denn bei langen Zugfahrten will man sich doch auch ein wenig erholen. Stattdessen saßen wir meist nur am Fenster und betrachteten die vorbeiziehende Landschaft.
Unser heutiges Etappenziel war Nikolaiken, ein beliebter Ferienort. Und das bekam man überall zu spüren. Es wimmelte von Menschen, und die Preise waren für Polen erstaunlich hoch, Deutschland vergleichbar. Im Kern der kleinen Stadt erwarteten uns restaurierte Häuser mit einladenden Biergärten davor. Am Ufer des Sees spazierten wir die lange Promenade entlang.
Auf der Kruttina machen wir eine Stocherkahnfahrt. Ganz hübsch, aber halt rein auf Tourismus gemacht. Bei so vielen Booten, die hier hin und her staken, ist's mit der Ruhe und dem Genuss leider nicht allzu weit her. Das hat einige der Mitreisenden gestört. Aber wenn man es schafft, sich einfach ein bisschen zu entspannen (was leider nicht allen Menschen gegeben ist), kann man die wunderschöne Landschaft des bewachsenen Flusses genießen. Hier kommt man sich vor wie im Urwald, so wild wuchern am Ufer die Pflanzen und Bäume.
Der Grenzübergang Polen - Russland funktionierte reibungslos, es gab keine langen Wartezeiten. Wir saßen mit unseren Pässen im Speisewagen beim

Mittagessen. Auch generell war die Reise so gut organisiert, dass es keinerlei Grund zu einer Beanstandung gab. Alles verlief ohne Zwischenfälle, kein Anstehen, kein Gepäckschleppen, keine Wartezeiten. Die Hotels waren gut ausgesucht, einfach, aber sauber, und immer war das Personal extrem freundlich und hilfsbereit, was man überhaupt von den Polen behaupten kann. Der Reiseleiter vor Ort hatte immer eine nette Geschichte parat, wenn es darum ging, seine Stadt zu beschreiben, und machte so jeden Stadtrundgang zu einem besonderen Erlebnis durch Informationen, die man nicht im Baedeker findet.
Königberg selbst war nicht sehr einladend, eher etwas grau und lieblos. Bei einer Stadtrundfahrt haben wir den Dom, das Grabmal des Philosophen Immanuel Kant, die Börse, die Universität, die Stadthalle und die Luisenkirche besichtigt. Von der russischen Exklave waren wir ein wenig enttäuscht. Am Abend waren wir zu einem schönen Konzert im Dom eingeladen, mit großem Orchester und guten Sängern, die russische Lieder sangen. Der Standard des Hotels entsprach auch hier dem der klassischen Hotelketten. Etwas lieblos, aber sauber. Danach ging's wir wieder zu unserem Zug. Und wieder wurden wir sehr freundlich vom Zugpersonal empfangen.
Über einige kleinere Orte mit Halt in Frauenburg, wo wir den Dom

besichtigten, in dem Nikolaus Kopernikus herausfand, dass sich die Erde um die Sonne dreht, fuhren wir weiter nach Danzig. Hier haben die Stadtbauer ganze Arbeit geleistet. Bei einem dreistündigen Stadtrundgang konnten wir wunderschöne Fassaden betrachten, den Dom, das Artushaus, das Rathaus mit seiner schönen Bernsteinsammlung, den Neptunbrunnen und zu guter Letzt die Langgasse, die in sanften Biegungen vom Tor bis zum Markt führt.
Unser Fazit: Die Masuren sind definitiv eine Reise wert. Die Polen sind gastfreundliche Menschen, die sich freuen, wenn man sich für ihr Land interessiert. Die Landschaft ist wunderschön und die Städte mit einigen wenigen Ausnahmen toll wiederaufgebaut. Über die Organisation der Reise hatten wir uns schon vorher Gedanken gemacht. Immerhin stand in der Ausschreibung, dass an der Reise 200 Personen teilnehmen sollten. Wir waren zu Beginn nicht ganz sicher, ob das wirklich unseren Vorstellungen entsprach. Zum Glück haben wir uns doch zur Buchung entschieden. Denn am ersten Tag wurden wir in kleinere Gruppen aufgeteilt zu je ca. 25-30 Personen, der jeweils ein fester Reiseleiter zugeteilt war. In dieser Zusammenstellung verbrachten wir dann auch unseren Urlaub, die übrigen Teilnehmer hat man zwar ab und zu getroffen und sich zugewunken, was auch ziemlich lustig war, wenn man in einer fremden Stadt wie z. B. Danzig

dann jemanden kannte, aber generell verbrachte man seine Zeit in seiner eigenen Gruppe. Auch der Transfer zu den Hotels, in denen man übernachtete, war erstklassig. Man musste sich um nichts kümmern, außer ein paar Sachen einzupacken.
Ich kann Kiwi Tours nur empfehlen!
Herr G. aus Kassel