Eine Reise mit der Transsib, das war schon immer unser Traum gewesen. Bei Kiwi Tours buchten wir eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Wir machten die Reise allerdings in der umgekehrten Reihenfolge: von Peking nach Moskau. Wir hatten uns extra für eine geführte Tour entschieden, weil wir nicht sicher waren, wie wir uns in Russland und in China verständigen sollten. Wir wollten da kein Risiko eingehen. Wir trafen am Flughafen in Frankfurt ein, wo wir für unseren Flug nach Peking eincheckten. Am Flughafen erfuhren wir, dass auch aus anderen deutschen Städten noch Mitreisende kommen sollten, die in Peking zu uns stoßen würden. Wir flogen mit Lufthansa, dazu ist wohl nicht viel zu sagen, der Service ist gut, auch das Essen. Am nächsten Tag landeten wir in

Peking. Am Flughafen wurden wir von unserer Reiseleiterin abgeholt, einer netten Frau, die wir allerdings manchmal nicht wirklich gut verstanden, da sie einen etwas undefinierbaren, aber sehr sympathischen Akzent sprach. Sie begrüßte uns herzlich und erklärte uns, dass wir jetzt erst einmal ins Hotel fahren würden. Um das Gepäck würde sie sich kümmern, auch im Hotel sei schon alles vorbereitet. Wir konnten gleich unsere Zimmer beziehen. Nach kurzem Frischmachen fuhren wir gleich los zu einer Stadtrundfahrt. Unsere erste Sehenswürdigkeit war die Verbotene Stadt. Schön, dass sie heute nicht mehr verboten ist. Das Areal ist beeindruckend groß und wir waren beeindruckt von der Schönheit dieses Ortes.
Von hier aus kamen wir direkt auf den Platz des Himmlischen Friedens. Welche Heuchelei, bedenkt man das Massaker, das hier 1989 stattgefunden hat. Der Platz ist riesengroß und eher schmucklos. Man hat hier irgendwie das Gefühl, beobachtet zu werden. Trotzdem gefällt uns Peking sehr gut - noch mehr eigentlich der richtige Name Beijing, das klingt doch viel schöner.

Nach der Stadtrundfahrt werden wir wieder zum Hotel zurückgebracht und können den Tag allein ausklingen lassen. Unsere Reiseleiterin gibt uns noch einige Tipps, wo wir hingehen und essen können. In der Wangfujing Street ist richtig was los. Alles ist hell erleuchtet, wir sind begeistert von der Betriebsamkeit. An den Imbißstände deuten wir auf das, was wir gerne essen möchte und genießen die Atmosphäre. Am nächsten Morgen fahren wir zur Großen Mauer. Ein Muss hier. Eigentlich ist es nur die Größe, die so eindrucksvoll ist. Die Umgebung ist traumhaft, es herrscht herrliches Wetter, die Sicht ist super. Wir essen gemeinsam zu Mittag und freunden uns ein wenig mit unseren Mitreisenden an. Leider sind sie alle um vieles älter als wir, aber das macht nichts, wir scheinen Glück zu haben, sie sind durch die Bank recht nett. Und wir wollen ja auch nicht gleich mit ihnen zusammenziehen...
Am Nachmittag ging es noch zu den Ming-Gräbern und der berühmten Tierallee. Sie ist wirklich lustig, all die großen, in Stein gehauenen Tiere, die einen beim Spaziergang durch sie hindurch zu begrüßen scheinen.
Am nächsten Tag besichtigen wir noch den kaiserlichen Sommerpalast mit dem wirklich sehenswerten Kunmingsee und dann wartet unser Zug auf uns: Die Transsib. Ich hatte sie mir etwas eindrucksvoller vorgestellt. Doch später stellte ich fest, dass es sich noch nicht um die richtige Bahn handelte, den dieser hier würde nur auf der chinesischen Normalspur bis Erlian fahren, wo wir umsteigen würden in den eigentlichen Transsib, da Russland Breitspur benutzt und damit nicht kompatibel ist.

Am nächsten Tag müssen wir dann noch einmal Umsteigen. Und hier ist sie, unsere äußerst eindrucksvolle Transsib. Der Zug sieht aus wie aus einem alten Film. Die Abteile sind schön, ganz in blau, wir fühlen uns wohl. Auch der Speisesaal ist in angenehmen Mustern gestaltet. Was besonders schön war, war die Tatsache, dass wir uns um nicht mehr um unser Gepäck kümmern mussten, wir konnten einfach unser Handgepäck nehmen und über den Bahnsteig in den wartenden Zug rüberlaufen. Unsere Koffer wurden für uns in unser Abteil gebracht.
Wir befanden wir uns mitten in der Wüste Gobi. Die Strecke durch die Wüste ist karg, es ist alles beige und es gibt nicht viel zu sehen, außer Weite. Wir sitzen die ganze Zeit am Fenster und schauen raus.

Am nächsten Tag hielten wir in Ulan Bataar, der Hauptstadt der Mongolei. Es ist eine geschäftige und hochmoderne Stadt. Auch hier stehen alte kleine Häuser in Konkurrenz zu hässlichen auch nicht mehr ganz neuen Hochhäusern. Auch hier finden sich die unvermeidlichen Prachtbauten, von denen manche mehr, manche weniger europäisch aussehen. Wir verbrachten die Nacht in einem Hotel, so dass wir auch hier das Nachtleben mitnehmen konnten. Hier wird richtig gefeiert, das hatten wir noch nie erlebt. Die Mongolen hier scheinen jeden Tag zu leben, als ob es ihr letzter wäre. Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug ins Schildkrötental zu den Nomaden und in den Naturschutzpark Terelj.

Hier sieht es aus wie in der Schweiz, hübsch und überhaupt nicht das, was ich mir vorgestellt hätte.
Dann erwartet uns Russland. Wir machen in Ulan Ude einen Ausflug zum größten buddhistischen Kloster Russlands. Es ist ruhig und entspannt, aber trotzdem scheinen auch die Buddhisten Termine zu haben, zu denen sie in schnellem Schritt gehen. Dann fährt der Zug entlang des Baikalsees, eine wunderschöne Strecke. Ich war bewegt von der Stimmung hier.

Irkutsk ist eine eigentlich sehr schöne Stadt. Viele Gebäude im Plattenbaucharme, aber auch viele nette Gebäude. Irkustsk gilt als das Paris des Ostens, das habe ich irgendwo gelesen. Wir lasen ein wenig in unserem Reiseführer und erfuhren, dass wir noch 5.185 km vor uns hatten. Gut so, dann dauerte diese schöne Reise noch ein wenig. Quer durch die Taiga fuhren wir in Richtung Novosibirsk. Wir hielten in Krasnojarsk, aber das war kaum der Rede wert.
Auch Novosibirsk schien eine typisch russische Stadt, nicht sehr schön, dafür sehr angeberisch, gespickt mit hässlichen Bauten aus der Sowjetzeit. Jekaterinburg hat uns da schon wieder mehr interessiert, vor allem, weil es voller Geschichte steckt. In dieser Stadt wurden 1918 der letzte Zar Nikolaus II. und seine Familie ermordet. Insgesamt starben in kürzester Zeit 18 Mitglieder der Zarenfamilie Romanow durch die Hand der Bolschewiken. Danach wurde Jekaterinburg zu Ehren des Revolutionärs Jakow Swerdlow in Swerdlowsk umbenannt. Das hat man erst 1991 wieder geändert. Kurz hinter Jekaterinburg liegt die europäisch-asiatische Grenze. Wir fuhren zu dem Obelisken, der diese Stelle markiert. Viel gab es nicht zu sehen, aber es ist ja auch nicht wirklich eine Grenze hier, zumindest nicht politisch.
Dann überwand die Zugstrecke den Ural, noch einmal eine Strecke mit einer wunderschönen Aussicht. Kasan war unser letzter Halt vor Moskau. Die Stadt ist berühmt für ihre alte Universität, an der schon Lenin und Tolstoi studierten. Der Kasaner Kreml ist wirklich eine architektonische Schönheit, seine Lage an einem Nebenfluss der Wolga ist großartig.

Dann kommen wir in Moskau an. Der Bahnhof ist bereits eine Offenbarung, wir stehen staunend ob der vielen feinen Materialien und Farben. Moskau ist eine mitreißende Stadt. Modern und gleichzeitig doch das Alte schätzend, eine tolle Kombination. Bei einer Stadtrundfahrt lernten wir erst einmal alles in Ruhe kennen. Wir waren begeistert und können nur ein Fazit ziehen: Moskau ist absolut sehenswert!
Die ganze Reise hat uns sehr gut gefallen, die Bahnfahrt hat viel Spaß gemacht, es wurde nie langweilig, wir konnten im Barwagen sitzen oder in unserem großzügigen Abteil, um die vorüberzihende Landschaft zu beobachten. Das Essen war gut, und wer wollte, konnte Vorträge hören, die über Land und Leute aufklärten, was wir nicht nutzten, aber nach Auskunft von anderen Reisenden lohnenswert war. Es gab auch literarische Lesungen von Dichtern und Schriftstellern der Umgebung. Dieser Sonderzug von Kiwi Tours ist allemal sein Geld wert.
Vasili B.